Die Azoren und bis nach Portugal

Am ersten Abend, gleich nach dem Ankommen und kurzem Zusammenfinden zieht es uns an Land. Wir laufen durch ein paar Strassen bis zu einem Restaurant, dass uns mit seinem Segelcharm nach drinnen zieht. Durch die hier aufgeführte Reise, die der Besitzer mit seinem Segelboot um die ganze Welt gemacht hat, können wir auch gleich, das noch so frisch Erlebte, reflektieren. Zwar nicht um die ganze Welt, aber fast um die halbe und nun zum zweiten Mal über den Atlantik haben uns Solea und Planado gebracht. Und das erweckt schon ein bisschen Stolz.

Wir merken schnell, dass nicht nur das Restaurant mit Segelgeschichte gefüllt ist, sondern der ganze Ort hier Zeuge aller Atlantiküberquerenden ist, die nach zwei bis drei Wochen Meer auf den Azoren, in Horta ankommen. Die Stege und Docks sind verziert mit Segelbildern, Logos verschiedener Crews und Erinnerungen.

Nach dem Restaurantbesuch zieht es uns noch in die Peters Sports Bar. Auch sie ist mit Segeldetails gefüllt. Die Decke und die Wände sind voller Fahnen von überall und wir kommen schnell mit anderen Segelnden ins Gespräch. Das Ankommen an Land ist so ganz neu, aber gleichzeitig sind wir wohl noch nie mehr im Segeln angekommen.

Im Hafen bleiben wir nun zwölf Tage. Der Wind lässt uns nicht gleich weiterziehen und wir geniessen den Ort mit den Cafés, Pastell de Nata und mit den vielen Segelnden. Nachdem wir unser übliches Ankommensritual beendet haben; putzen, reparieren, einkaufen, mieten wir ein Auto, um die Insel zu erkunden. Wir wandern um den Vulkan Fundo da Caldeira, dabei bläst uns der Wind fast vom Wanderweg, und essen in einer kleinen Taverne viel zu viel. Nach dem Erkundungstag haben wir am Abend noch ein Fünf-Gänge-Menü mit Weinbegleitung reserviert. Dabei lernen wir die verschiedenen azorischen Weine kennen und gönnen uns diese extravagante Erfahrung. Absurd, dass wir ohne Kühlschrank leben und uns im Ausgang ganz ein anderes Leben gönnen.

Die nächsten Tage verplempern wir auf den Schiffen und im Örtchen. Zwischen warten und erkunden, entdecken und käffele vergeht die Zeit ganz schnell. Wir verbringen einige Stunden im kuschelig-warmen Bett, um für die nächsten Passage Energie zu sammeln.

Und dann fahren wir auch schon weiter. Zuerst noch kurz nach São Miguel, um ein Kabel für Soleas Motor zu holen und dann Richtung Europa Festland. Die Azoren waren ein sehr toller Zwischenstopp auf dem Weg zurück nach Hause. Gleichzeitig waren sie auch schon ein Ankommen. Ein Ankommen nach dem zweiten Transatlantik, nach 15 anstrengenden Tagen. Ein Ankommen in Europa.

Aber die Strecke ist eben noch nicht ganz geschafft.

Wir machen uns also wieder auf den Weg. Noch unklar wohin genau beziehungsweise wie weit uns der Wind ins Mittelmeer kommen lässt, steuern wir Gibraltar an. Fünf Tage sind wir unterwegs. Am Anfang haben wir noch ein bisschen mehr Wind. Die Tage sind bewölkt und das Bett schön gemütlich und warm. Draussen dafür eher ein bisschen ungemütlich. Nach ein paar Tagen nimmt der Wind immer mehr ab und wir müssen fast zwei Tage lang Motoren oder im besten Fall segeln mit Gennaker und Genua.

Uns begegnen täglich Wale. Manchmal sehen wir nur ihre Fontäne, einmal sind sie wenige Schiffslängen von uns entfernt. Es hat so viel Raum um uns herum und doch sind die Wale irgendwie genau auf unserem Weg.

Wir fischen einen Fussball und eine PET Flasche aus dem Wasser. Am Fussball kleben Entenbeine, das sind kleine Krebse, die aussehen wie Muscheln. Da wir sie nicht töten wollen stellen wir den Ball in einen mit Wasser gefüllten Kessel. Wir haben jetzt also Haustiere. Sie werden in ein paar Tagen jedoch im Hafen zu heiss bekommen und sterben. Wir hätten sie wohl eh nicht retten können.

Iuna und Flo beginnen bei Sonnenuntergang den Schichtbetrieb, Theo und Aurel übernehmen die Mittelschicht und Léonie und ich starten mit Sonnenaufgang. Die Tage vergehen schnell. Das Motoren wird noch nicht mühsam und wir sehen ein paar sehr schöne Sonnenauf- und untergänge.

Am schönsten ist der Sonnenaufgang über Portugal. Am 20. Mai geht die Sonne um 5:24 Uhr über Portugal auf. Noch 20 Meilen bis zum Hafen. Alle sind schon wach und wir staunen einfach über das Spektakel, dass sich uns präsentiert und über diesen Duft. Es richt sehr intensiv und fein, ich kann es gar nicht beschreiben.

Dann steuern wir zuerst Marina di Lagos an, aber sie haben keinen Platz mehr für uns. Wir drehen im engen Fahrwasser um und dann wird es plötzlich richtig heiss. Hier ist doch schon Sommer und auch alle Tourist*innen tragen Sommerkleider. Wir schälen uns nah dis nah aus unseren vielen Schichten. Dann motoren wir zu einem nächsten Hafen, Marina di Portimão.

Ich bin gespannt wie Portugal ist, bin gespannt wie sich der europäische Kontinent anfühlen wird und wie die nächsten, die letzten zwei Wochen dieser Reise vergehen werden.

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Atlantiküberquerung Antigua - Azoren